Oskar Lubin erfindet den „Anarchopragmatismus“

Torsten Bewernitz rezensiert in der anarchosyndikalistischen Zeitung Direkte Aktion das Buch Triple A – Anarchismus, Aktivismus, Allianzen. Kleine Streitschrift für ein Upgrading von Oskar Lubin (Edition Assemblage, Münster 2013, 104 Seiten, Preis: 9,80 EUR. Er schreibt: „Fallen wir ruhig mal mit der Tür ins Haus, denn der Aufschrei ist vorprogrammiert: Im achten Abschnitt seiner Streitschrift fordert Oskar Lubin „solange das Parteiensystem besteht, eben trotz Stasi-Vergangenheit vieler Führungskader die Zusammenarbeit mit der Partei Die Linke zu suchen, wenn es um die Abschaffung von Hartz IV und anderer neoliberaler Zumutungen oder um die Durchsetzung der Vermögenssteuer geht“.
Das sind Töne, die man aus spezifisch anarchistischen Publikationen selten hört. Und Oskar Lubins Triple A – Anarchismus, Aktivismus, Allianzen ist sehr spezifisch anarchistisch. Der Autor baut seine gesamte Argumentation ausschließlich auf anarchistischen Schriften und Diagnosen auf. Wie kann man dann, so werden nicht wenige fragen, um Himmels Willen auf die Idee kommen, mit der Linkspartei zusammenzuarbeiten? Ist das nicht schon bei der Russischen Revolution, bei der deutschen Revolution, bei der Spanischen Revolution … schiefgegangen?! Den Rest des Beitrags lesen »

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Dritte Generation Ost. Wer wir sind, was wir wollen; Berlin 2012 (Rezension)

umschlag_19859Die „3te Generation Ost“ ist eine 2011 in Berlin gegründete Initiative junger Ostdeutscher. Sie verfolgt das Ziel, das Reden und Schreiben über Ostdeutschland und DDR-Vergangenheit in neue Bahnen zu lenken und es dabei explizit um die Perspektive derjenigen zu bereichern, die lediglich ihre Kindheit in der DDR verbrachten. Diese „Generation“ der zwischen 1975 und 1985 in der DDR Geborenen zeigt nun verstärkt ein Bedürfnis, eigene Erfahrungen und Sichtweisen auf den Transformationsprozess zu artikulieren und für den gesamtdeutschen Diskurs fruchtbar zu machen. Der Impuls zur Gründung der „3ten Generation“ entsprang, wie die Initiatoren und Herausgeber des Buches im Vorwort betonen, einer latenten Unzufriedenheit über den öffentlichen Umgang mit der DDR-Vergangenheit und dem medial vermittelten Bild Ostdeutschlands. Insbesondere Letzteres erschien vom eigenen Erleben und den ostdeutschen Realitäten zu weit entfernt, um echtes Verständnis und eine gesellschaftliche Weiterentwicklung zu ermöglichen. Um hier Abhilfe zu schaffen, sollen, so die Hoffnung von „3te Generation Ost“, zukünftig ostdeutsche Binnenperspektiven aktiver zur Sprache gebracht werden. So könne unter neuen Vorzeichen ein ost-west-deutscher Dialog angekurbelt werden, der sich derzeit auf eingefahrenen Gleisen bewege. Den Rest des Beitrags lesen »


Buch „Rotes Grün“ ist open access

Thie_Rotes-GruenKooperation, Gleichheit, Planung, Produzent_innen der Dinge, des Geistes und des Gemeinwohls – die Stichworte aus dem Inhaltsverzeichnis von „Rotes Grün“ machen Lust zum Lesen. Es transportiert die Ahnung, dass ein moderner, ökologischer Sozialismus heute möglich ist. Hans Thie, Wirtschaftsreferent der Fraktion DIE LINKE im Bundestag, hat im Anschluß an die von ihm mitgestaltete Kampagne „Plan B“ der Bundestagsfraktion nun ein Buch über „Pioniere und Prinzipien einer ökologischen Gesellschaft“ geschrieben. Da er dies im Auftrag der Rosa-Luxemburg-Stiftung tat und diese sich gegenüber dem VSA-Verlag durchsetzen konnte, ist die Veröffentlichung nun gleichzeitig als Buch und unter Creative Commons veröffentlicht. Das 176 Seiten umfassende Buch ist hier als PDF online. Eine ausführliche Besprechung bleibt vorbehalten.
[UPDATE] Ökologische Revolution jenseits von Technik und Moral – Sattes Grün verlangt kräftiges Rot Artikel von Hans Thie im ND vom 15. Juni 2013.


Einladung zur Bundesmitgliederversammlung am 6. Juli in Potsdam

Liebe Mitglieder der Ema.Li,
liebe Interessierte,

wir möchten Euch herzlich zu unserer kommenden Bundesmitgliederversammlung einladen. Sie findet am Samstag, 6. Juli 2013, in Potsdam statt. Dort treffen wir uns in der Landesgeschäftsstelle der Linken in der Alleestraße 3.

Als Tagesordnung schlagen wir Euch Folgendes vor:
11.00 Begrüßung und Formalia
11.30 Rechenschaftsbericht mit Aussprache
12.30 Satzungsänderung
13.00 Pause
14.00 Zukunft der Ema.Li bis 2015 mit Debatte
15.30 Wahl des Ko-Kreises
17.00 Verschiedenes und Schlusswort
17.30 Verbindliches Ende

Bitte überlegt Euch vor allem, ob Ihr für den Ko-Kreis kandidieren wollt.

Und hier kommen die Daten zur Örtlichkeit: Landesgeschäftsstelle der Linken Brandenburg, Alleestraße 3 in 14469 Potsdam. Hin kommt Ihr vom Potsdamer Hauptbahnhof mit den Straßenbahnen der Linien 92 und 96 Richtung Kirschallee bzw. Bornstedter Feld. Ihr fahrt bis zur Haltestelle Rathaus, lauft dann ein Stück Richtung Alexandrowka geradeaus und biegt dann in die Alleestraße rechts ein. Eine Karte findet Ihr hier. Übernachtungsmöglichkeiten haben wir diesmal nicht reserviert. Diese sind in Potsdam und Berlin allerdings zahlreich und teilweise auch sehr preisgünstig zu haben, z.B. auch in unmittelbarer Nähe.

Zu den Formalia: Stimm- und wahlberechtigt ist jedes Mitglied der Ema.Li. Wir sind bislang immer etwas locker mit der Mitgliedschaft umgegangen. Das hieß z.B., dass man noch während einer Versammlung Mitglied werden und sich damit ein Stimmrecht erwerben konnte. Diesmal soll ein Beitritt samt sofortigem Stimmrecht nur bis zum Beginn des ersten Tagesordnungspunktes möglich sein.

Offener Brief zum Verlauf der Blockupy-Demonstration am Samstag

So war es nicht!

Gegen die Ausgrenzung gesellschaftlicher Opposition durch Polizei und Teile der Medien

 

Wir, politisch und sozial aktive Menschen aus dem Rhein-Main-Gebiet und TeilnehmerInnen der Demonstration des Blockupy-Bündnisses am 01.06.2013 in Frankfurt am Main, sehen uns angesichts der Darstellung der Polizei und ihrer teilweise immer noch unkritischen Verbreitung zu einer Stellungnahme veranlasst.

Wir widersprechen den Klischees, wonach die Polizei durch einige „Chaoten“ und „Randalierer“ gezwungen gewesen sei, Maßnahmen zur Herstellung von öffentlicher Ordnung, Gesetz und Sicherheit zu ergreifen. Auch wenn sich erfreulicherweise einige Tageszeitungen diesem Tenor nicht anschließen, entsteht vor allem durch Verlautbarungen der Polizei und deren unkritische Verbreitung in Teilen der Öffentlichkeit doch wieder dieses Bild. Aber es entspricht nicht den Tatsachen.

Wir, die VerfasserInnen und UnterzeichnerInnen dieses Briefes, haben an unterschiedlichen Orten an der Demonstration teilgenommen und über Stunden das Geschehen direkt verfolgt und teilweise dokumentiert.

Wir halten fest:

  • Der „schwarze“ Block war bunt.
  • Die „Vermummung“ bestand vor allem aus Sonnenbrillen und Regenschirmen.
  • Der unmittelbare Vorwand der Einkesselung von über 1000 Personen über insgesamt 9 Stunden war das Abbrennen von 3 bengalischen Feuern.
  • Der Vorwurf der „passiven Bewaffnung“ ist aberwitzig und – wie Urteile aus Berlin bereits zeigen – unendlich dehnbar. Schon der Ausdruck „passive Bewaffnung“ verdreht die Tatsachen: ein Styropor-Schild beispielsweise ist ein Schutz, keine Waffe.
  • Im Blockupy-Bündnis bestand erklärtermaßen Konsens, dass von den DemonstrantInnen keine Eskalation ausgehen sollte – entsprechend verhielten sich die DemonstrantInnen, und zwar sowohl außerhalb wie innerhalb des Polizeikessels.
  • Dagegen war das Verhalten vieler PolizistInnen in hohem Maße übergriffig und unmittelbar körperverletzend.
  • Polizeitrupps sind mehrfach (wie auch schon am Vortag) in die stehende Menschenmenge hineingestürmt und haben DemonstrantInnen überrannt und niedergeworfen.
  • Vor unseren Augen ist Menschen ohne Vorwarnung, ohne Beteiligung an einer Rangelei o.ä. und ohne, dass eine Gefahrensituation vorgelegen hätte, Pfefferspray aus unmittelbarer Nähe direkt ins Gesicht gesprüht worden (über die Erblindungsrate der Pfefferspray-Wirkung wird derzeit diskutiert).
  • Vor unseren Augen sind wehrlose DemonstrantInnen misshandelt worden, indem ihnen bspw. der Kopf nach hinten gezogen und Mund und Nase zugehalten worden ist. Einige brachen daraufhin zusammen. Sie sind nur Dank der Initiative von TeilnehmerInnen der Demonstration versorgt worden.
  • Vor unseren Augen ist Menschen, die an Armen und Beinen zur Personalienfeststellung davon getragen wurden, von den sie tragenden Polizisten in die Seite und in den Unterleib getreten worden.
  • Vor unseren Augen wurde Menschen der Hals verdreht und die Arme verrenkt..
  • Vor unseren Augen erhielten Menschen, die sitzenblieben, als sie von der Polizei aufgefordert wurden, aufzustehen, ohne Vorwarnung Faustschläge mit Protektorenhandschuhen ins Gesicht.
  • Die so vorgehenden PolizistInnen waren vermummt und insgesamt gibt es weder Namens- noch Nummerkennzeichnungen, so dass weder die Betroffenen noch wir als ZeugInnen die Möglichkeit hatten, diejenigen PolizistInnen zu identifizieren, die brutale körperliche Gewalt gegen Personen offenbar für ihre Dienstaufgabe halten.

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