Dritte Generation Ost. Wer wir sind, was wir wollen; Berlin 2012 (Rezension)

umschlag_19859Die „3te Generation Ost“ ist eine 2011 in Berlin gegründete Initiative junger Ostdeutscher. Sie verfolgt das Ziel, das Reden und Schreiben über Ostdeutschland und DDR-Vergangenheit in neue Bahnen zu lenken und es dabei explizit um die Perspektive derjenigen zu bereichern, die lediglich ihre Kindheit in der DDR verbrachten. Diese „Generation“ der zwischen 1975 und 1985 in der DDR Geborenen zeigt nun verstärkt ein Bedürfnis, eigene Erfahrungen und Sichtweisen auf den Transformationsprozess zu artikulieren und für den gesamtdeutschen Diskurs fruchtbar zu machen. Der Impuls zur Gründung der „3ten Generation“ entsprang, wie die Initiatoren und Herausgeber des Buches im Vorwort betonen, einer latenten Unzufriedenheit über den öffentlichen Umgang mit der DDR-Vergangenheit und dem medial vermittelten Bild Ostdeutschlands. Insbesondere Letzteres erschien vom eigenen Erleben und den ostdeutschen Realitäten zu weit entfernt, um echtes Verständnis und eine gesellschaftliche Weiterentwicklung zu ermöglichen. Um hier Abhilfe zu schaffen, sollen, so die Hoffnung von „3te Generation Ost“, zukünftig ostdeutsche Binnenperspektiven aktiver zur Sprache gebracht werden. So könne unter neuen Vorzeichen ein ost-west-deutscher Dialog angekurbelt werden, der sich derzeit auf eingefahrenen Gleisen bewege.
Das Buchprojekt mit dem programmatischen Titel „Dritte Generation Ost. Wer wir sind, was wir wollen“ setzt dazu einen Auftakt. Entstanden ist ein sehr heterogener Sammelband, in dem mehr als dreißig Autorinnen und Autoren in kurzen persönlichen Essays, Interviews oder wissenschaftlich fundierten Texten zu Wort kommen. Das Buch ist in vier Kapitel gegliedert. Die ersten beiden Teile konzentrieren sich vorwiegend auf Erfahrungsberichte und Erinnerungen an Kindheit und Wendezeit. Demgegenüber sind die letzten beiden Teile eher darauf angelegt, die Potentiale der Generation zu erkunden und ihr bisheriges Engagement sichtbar zu machen. Erklärtes Ziel der Herausgeber ist es, möglichst vielen Stimmen Raum zu geben. Auf diese Weise wollen sie ein facettenreiches Bild einer Generation zeichnen, die von sich behauptet, aufgrund ihrer Sozialisation in zwei verschiedenen politischen Systemen und den damit verbundenen spezifischen Erfahrungen eine besondere Rolle im deutsch-deutschen Integrationsprozess zu spielen. Naturgemäß ist schwer zu sagen, inwieweit dieses Generationenkonstrukt der Initiatoren und Herausgeber tatsächlich in breiteren gesellschaftlichen Kreisen auf Resonanz stößt. In jedem Fall ist hier zumindest ein energisches identitätspolitisches Anliegen spürbar.
Die komplette Rezension von Rainette Lange, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam, auf H-Soz-Kult lesen. Inhaltsverzeichnis des Buches als PDF.

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