Netzpolitik und Popkultur: Hipster in der Linksjugend

Als alter Badener sag ich mal „sanks, Ema.Li NRW“ !

Emanzipatorische Linke

Interview: Felix Schneider

Ich unterhielt mich via Skype mit Chucky Gold, einem Gründungsmitglied des Bundesarbeitskreises „hipster“ in der Linksjugend [’solid], und der digitale Äther zwischen Köln und Berlin knisterte dabei vor Swag.[1]


Felix: Der BAK hipster hat sich auf dem letzten Bundeskongress der Linksjugend [’solid] gegründet. Inhaltlich beschäftigt er sich laut Gründungserklärung mit netzpolitischen Themen, positioniert sich gegen regressive Gentrifizierungs – und Kapitalismusanalysen, steht für einen modernen feministischen wie antifaschistischen Diskurs und für einen konstruktiven Umgang mit neuen Medien & Popkultur. Wie kamt ihr zu diesem inhaltlich bunten Potpourri und was hat das mit „hipster“ zu tun?

Chucky: Als wir zusammenkamen brachten die Leute verschiedenste Themen ein. Ich interessierte mich besonders für Netzpolitik. Wir haben dann versucht, alles in einem Begriff zu fassen und damit mehrere Lücken zu füllen innerhalb der Linksjugend: Themen, die nach unserer Meinung bisher nicht vorhanden waren. Der Name entstand erst ein bisschen als Scherz, ein…

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Summer Factory des ISM zu „Sozialökologische Transformation“

Die Summer Factory des Instituts Solidarische Moderne ist ein Labor für mosaiklinke Wissensproduktion. Akteur_innen aus Politik, Kultur, Wissenschaft, Gewerkschaft, sozialen Bewegungen und NGOs diskutieren vom 16. bis 18. August 2013 in Frankfurt/Main die strategischen Bedingungen gesellschaftlicher Veränderung.

„Sozialökologische Transformation: Strategische Bedingungen eines Politikwechsels“ – so lautet der Titel der diesjährigen Summer Factory. In der Überzeugung, dass ein gesellschaftlicher Umbruch sich nicht wie von selbst vollzieht, nur weil überzeugende politische Alternativen vorliegen oder linke Parteien Wahlerfolge erzielen, wollen wir in diesem Jahr die Bedingungen einer sozialökologischen Transformation aus strategischer Perspektive beleuchten.

Los geht es am Freitag Abend mit einer großen Podiumsdiskussion, bevor wir am Samstag in Arbeitsgruppen und Workshops verschiedene Schwerpunkte des Oberthemas bearbeiten, deren Ergebnisse wir dann am Abend und am Sonntag Morgen gemeinsam diskutieren wollen.

Infos und Anmeldung: https://www.solidarische-moderne.de/de/topic/75.summer-factory.html


Depression und Kapitalismus

Der Staat hat Repression heute kaum noch nötig, da die herrschende soziale Ordnung auf einem weit verbreiteten gesellschaftlichen Konsens beruht, der sich vielleicht nicht allerorten aus begeisterter Zustimmung speist, in der gängigen Meinung, das Bestehende sei nun einmal nicht zu ändern, jedoch seinen stärksten Verbündeten findet. Hartz IV, Unterbeschäftigung, Working Poor und Arbeitslosigkeit sind weit verbreitete Phänomene und führen in Deutschland zu einer Armutsquote von über 15 Prozent (Destatstis, 2012). Doch hat sich die Gestalt von Armut im Zuge der Entwicklung der westlichen Länder wesentlich verändert, führt heute vor allem zu sozialem Ausschluss und geht nicht mehr mit einer unmittelbaren Gefährdung des Lebens einher.
Vor diesem Hintergrund bewegt sich auch die weit verbreitete Diskussion um psychische Erkrankung, an deren Spitze die Diskussion über die Verbreitung von Depressionen steht. Der dahinter stehende Gedanke lässt sich leicht zusammenfassen: Durch die immense Entwicklung der Wirtschaft ist es der modernen westlichen Gesellschaft gelungen, nahezu alle existentiellen Probleme zu überwinden und sich als stabiles politisches System zu etablieren, doch hat dies einen hohen Preis gefordert. Der heutige Mensch ist praktisch immer bei der Arbeit, stets gehetzt, rund um die Uhr erreichbar und dadurch einem immensen Leistungsdruck ausgesetzt. Das Resultat liegt auf der Hand: Viele halten den Druck nicht aus und werden psychisch krank – vor allem depressiv. Die Zahlen scheinen diese Diagnose zu untermauern. Knapp über acht Prozent der Bevölkerung leiden unter Depressionen, hinzu kommen gut vier Prozent mit diagnostiziertem Burnout-Syndrom, die Zahlen sind steigend und werden die Armutsquote mit einiger Wahrscheinlichkeit bald überflügeln (Kurth, 2012, 987). Es ist nicht verwunderlich, wenn die Verbreitung psychischer Erkrankung mittlerweile der Dreh-und Angelpunkt jeder Diskussion ist, in der nach den grundlegenden Problemen des heutigen Kapitalismus gefragt wird. In Abwesenheit lebensbedrohlicher Repression und Ausbeutung geht von der Depression ein Schauer aus, der einerseits das dumpfe Unbehagen vieler Menschen in der Gesellschaft erklärt und andererseits geeignet scheint, die von ihr ausgehende Bedrohung greifbar zu machen.

Der komplette, von Lars Distelhorst verfasste und zuerst in streifzüge, Nr. 58, (Sommer 2013) erschienene Text ist als  PDF hier verfügbar. Wir danken für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung.

Hinweis: Die Linksfraktion veranstaltete am 13. Mai 2013 eine Anhörung zum Thema „Stress und psychische Gesundheit am Arbeitsplatz“ (mehr).


Neue Studie: Gelebte Parteimitgliedschaft. DIE LINKE als kollektiver Akteur

Ingo Matuschek, Frank Kleemann und Uwe Krähnke haben im Mai 2013 eine neue, von der RLS beauftragte Studie vorgelegt. Eine Zusamenfassung der in soziologischer Fachsprache geschriebenen und 69 Seiten umfassenden Studie gibt es hier als PDF.
Gegenstand der Untersuchung ist die Partei DIE LINKE als politischer Erfahrungs- und Handlungsraum und als Organisationsform für Menschen, die sich dezidiert links im politischen Spektrum verorten. Die „politischen Praxen des Parteienlebens an der Basis“ und die damit zusammenhängenden „Alltagsorientierungen der Mitglieder“ sollen untersucht werden. Die Autoren beschreiben die LINKE als sehr heterogenes Projekt. Aber „Die LINKE kann diese innerparteiliche Vielfalt (noch) nicht ausreichend produktiv machen. Es fehlt häufig an einer positiven Erzählung über Alternativen, in der sie sich selbst wiederfinden.“
Die unterschiedlichen Herkünfte der Parteimitglieder, und die (auch) daraus resultierenden Erfahrungen und Organisationsverständnisse werden ausführlich aufbereitet. Als zentrifugale Kräfte und damit Gefahren, nennen die Autoren die administrative Ent- und Abkopplung und die damit zusammenhängende Entfredmung zwischen ParlamentarierInnen und „den anderen“. Den Rest des Beitrags lesen »


Noch Bücher für den Sommer gesucht?

2211_tmb2Wer/welche noch Lesetipps für die Sommermonate, für Strand, Badesee oder Sofa sucht, wird vermutlich – zumindest wenn es um Sach- und Fachbücher geht – in der neuen Ausgabe des Rezensionsjournals kritisch-lesen fündig. Diese mittlerweile 29. Ausgabe (Tusch!!) stellt weit über ein Dutzend allesamt lesenwerte Bücher zum Thema „Gesellschaft im Neoliberalismus“ (im weitesten Sinne) vor. Dabei werden schwergewichtige historische Bücher, wie etwa Caliban und die Hexe. Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation  von Silvia Federici ebenso besprochen, wie Titel, die die individuelle Zurichtung der Menschen untersuchen, wie z.B. Christoph Menke, Juliane Rebentisch (Hg.): Kreation und Depression. Freiheit im gegenwärtigen Kapitalismus oder  Warum Liebe weh tut. Eine soziologische Erklärung der israelischen Soziologin Eva Illouz. Demokratie, der neue Titel des Duos Negri/Hardt, ist auch dabei.
Sehr bemerkenswert ist, dass kritisch-lesen.de auch „ältere“ Bücher vorstellt, in der Nr. 29 zum Beispiel ein Buch von Étienne Balibar und Immanuel Wallerstein von 1990: Rasse, Klasse, Nation. Ambivalente Identitäten.

Aber seht selbst hier nach. Wir meinen, eine rumdum gelungene Ausgabe mit vielen Anregungen.


Das Einfache, das schwer zu machen ist (Rezension)

cover_kommunismusDer Kommunismus „[…] ist vernünftig, jeder versteht ihn. Er ist leicht, / Du bist doch kein Ausbeuter, du kannst ihn begreifen. / […] Die Dummköpfe nennen ihn dumm, und die Schmutzigen nennen ihn schmutzig. / Er ist gegen den Schmutz und gegen die Dummheit.“ Mit diesen Worten verteidigt Pelagea Wlassowa, die Mutter aus dem gleichnamigen Theaterstück von Bert Brecht, den Kommunismus gegen den Vorwurf der Herrschenden, er sei ein Verbrechen. Angesichts der historischen Erfahrungen in den von kommunistischen Parteien regierten Ländern Osteuropas hat die Gewissheit, der Kommunismus sei gegen Schmutz, Dummheit und Verbrechen bei vielen Menschen arg gelitten. Gleichzeitig bleibt die im Manifest der Kommunistischen Partei formulierte Vision von der Gesellschaft, in der die „[…] freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist“ aller Wahrscheinlichkeit nach die letztlich unhintergehbare Kategorie emanzipatorischer Politik. Für neue Perspektiven linken Handelns bedarf es daher der ehrlichen Auseinandersetzung mit den historischen Erfahrungen der sozialistischen und kommunistischen Bewegung wie mit der Realität der sich sozialistisch nennenden Staaten.

Möglich, dass die Frage „Was tun mit Kommunismus?“ auf diesem Weg ein notwendiger erster Schritt ist. Auf alle Fälle bildete sie im Herbst 2011 den Ausgangspunkt für eine Veranstaltungsreihe in Berlin, in deren Rahmen Linke aus unterschiedlichen Zusammenhängen über ihre Sicht auf die geschichtlichen Siege und Niederlagen der Karl Marx folgenden Bewegungen und über die daraus zu ziehenden Lehren diskutierten. Schon die Tatsache, dass es die Plattform für eine solche Debatte gab, ist unter den gegebenen Bedingungen des Lobes wert. Dass die Beiträge der Veranstaltungen nun sogar in Buchform vorliegen und damit einem breiteren Publikum zugänglich sind, ist wertvoll.

Wie die Veranstaltungsreihe, so gliedert sich auch das vorliegende Buch in drei Teile, die sich jeweils einer Leitfrage widmen. Sie lauten:

–        „Wie war und ist das Verhältnis der Linken zum ‚Realsozialismus‘?“

–        „Wie sozialistisch war der ‚real-existierende Sozialismus‘?!“

–        „Raus aus dem Kapitalismus – aber wohin?“

Fast notwendig greifen die AutorInnen des ersten Teils zur Beantwortung der ihnen gestellten Frage auf ihre politischen Biographien und ihre eigenen – historisch gewachsenen – Sichten auf die kommunistisch regierten Länder Osteuropas zurück. An dieser Stelle treffen besonders deutlich die unterschiedlichen Erfahrungshorizonte aufeinander, die sich sowohl durch die geographische Herkunft als auch durch das Lebensalter der AutorInnen unterscheiden. So kann etwa Bini Adamczak für sich reklamieren, dass ihre Auseinandersetzung mit der DDR oder der Sowjetunion erst nach deren Ende begann, während gerade die Einbindung in die Strukturen der DDR und ihre Reflektion einen wichtigen Bestandteil des Beitrages von Monika Runge darstellt, die mit dem Blick auf die von ihr erlebten Widersprüche innerhalb der DDR begreifbar macht, entlang welcher Bruchlinien sie vom überzeugten SED-Mitglied zur dezidierten Kritikerin der Herrschaftsmethoden der Partei wurde, deren Mitglied sie indes bis zu deren Ende blieb. Daneben stehen in diesem Teil interessante Einblicke in die Arbeit der linken Opposition in der DDR und die „Thesen zum langen Schatten des Stalinismus“ von Christoph Jünke, in denen der Autor das Konzept einer radikalen Demokratie als unerlässliche Voraussetzung einer sozialistischen Umgestaltung gegen jeglichen Versuch der Überwindung des Kapitalismus auf dem Wege des Zwangs stark macht. Den Rest des Beitrags lesen »


Mitgliederstatistik 01.07.2013

Seit Januar 2013 veröffentlichen wir jeden Monat die aktuelle Mitgliederstatistik. Jetzt könnt Ihr die Zahlen zum Stichtag 01.07.2013 als PDF hier nachlesen. Nachdem wir im Mai endlich unsere Mitgliederverwaltung in den Griff bekommen haben, besitzen die Zahlen darin auch eine gewisse Aussagekraft, die Ihr ja gerne selbst mit unserer Analyse vom 17. Januar vergleichen könnt 🙂 .

Wir freuen uns sehr, dass wir seit über einem Jahr konstant 3 bis 7 neue Mitglieder pro Monat für die Ema.Li gewinnen können, und sowohl der Anteil von Menschen, die nicht Mitglied der Partei DIE LINKE sind, stetig ansteigt, als auch der Anteil von Frauen, das ist klasse!

Markus, für die Redaktion der Ema.Li.

P.S.: Und wenn Ihr mich ärgern wollt, tretet Ihr noch heute bis 24:00 in Massen über unser Online-Formular der Ema.Li bei, dann kann ich die Statistik nochmal machen 🙂

Alles wird gut, wir sehen uns in Potsdam am kommenden Samstag!