Neue Studie: Gelebte Parteimitgliedschaft. DIE LINKE als kollektiver Akteur

Ingo Matuschek, Frank Kleemann und Uwe Krähnke haben im Mai 2013 eine neue, von der RLS beauftragte Studie vorgelegt. Eine Zusamenfassung der in soziologischer Fachsprache geschriebenen und 69 Seiten umfassenden Studie gibt es hier als PDF.
Gegenstand der Untersuchung ist die Partei DIE LINKE als politischer Erfahrungs- und Handlungsraum und als Organisationsform für Menschen, die sich dezidiert links im politischen Spektrum verorten. Die „politischen Praxen des Parteienlebens an der Basis“ und die damit zusammenhängenden „Alltagsorientierungen der Mitglieder“ sollen untersucht werden. Die Autoren beschreiben die LINKE als sehr heterogenes Projekt. Aber „Die LINKE kann diese innerparteiliche Vielfalt (noch) nicht ausreichend produktiv machen. Es fehlt häufig an einer positiven Erzählung über Alternativen, in der sie sich selbst wiederfinden.“
Die unterschiedlichen Herkünfte der Parteimitglieder, und die (auch) daraus resultierenden Erfahrungen und Organisationsverständnisse werden ausführlich aufbereitet. Als zentrifugale Kräfte und damit Gefahren, nennen die Autoren die administrative Ent- und Abkopplung und die damit zusammenhängende Entfredmung zwischen ParlamentarierInnen und „den anderen“. Innerparteiliche Zusammenschlüsse böten zwar eine normative „Heimat“, aber eben auch die Gefahr der „Abschottung“. Etwas, so könnte man ergänzen, was auch für die Gesamtpartei in ihrem Verhältnis zur Gesellschaft gilt,
Wir meinen: DIE LINKE steckt, neben viele anderen, in einem fundamentalen Widerspruch. Es gibt – jenseits von Ost und West – und auch von Alt und  Jung – in ihr Menschen mit einer eher klassisch linken Orientierung, die sagt, wir gehen hier von Vernunft, wenn nicht objektiven Gesetzen, die wir (gar womöglich als einzigste) erkannt haben, aus. Diese sind der Leitstern unseres Partei- und individuellen Handelns. Und dann den anderen, die – mehr klassisch-„alternativ“ – in erster Linie von ihren eigenen Träumen und Bedürfnissen motiviert werden. Dies hat dann auch unterschiedliche Folgen im Tun.

Es bleibt also spannend. Die vollständige Studie: http://www.rosalux.de/publication/39470/gelebte-parteimitgliedschaft.html.

By the way: Die Studie spricht durchgehend von „Praxen“ als Mehrzahl von Praxis – und meint damit „Praktiken“. Denn Praxen gibt es nur bei Ärzt_innen. Dachten wir. Bislang. Deswegen ist das Wort „Praxen“ in den Publikationen der Ema.Li seit einiger Zeit umstritten, wenn nicht verboten :-).

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