Linksradikal-feministisches Magazin zum Thema „ARBEIT“

Outside the box (otb) ist ein linksradikales, feministisches Magazin aus Leipzig, das seit 2009 erscheint. Die neue Ausgabe – mit dem Thema ARBEIT – umfasst auf 160 DIN A 4 Seiten insgesamt nahezu 400.000 Zeichen und damit fast so viel wie ein Buch. Otb#4 ist sehr gut layoutet und enthält bezaubernde Artikel, persönliche Interviews, gute Rezensionen zu wichtigen Büchern sowie Kunst- und Fotostrecken in schwarz-weiss.
Metathemen könnten das Bonmot „Ein Hamsterrad sieht von innen aus wie eine Karriereleiter“ und die Problematiken der allgegenwärtigen Zeitnot und das Überforderungsgefühl sein, die zumindest in allen persönlichen Beiträgen und den meisten Interviews erkennbar sind. Die Autorinnen fragen sich unter anderem „Was heißt heute Erfolg?“, sie fragen sich weiter, warum niemand jenseits der 30 heute noch Zeit und vor allem Muße hat, sich zu verabreden…. und illustrieren damit einige Aspekte des Leidens der um die 30 jährigen an den Verhältnissen.
Die persönlichen Texte umfassen solche, in denen die Autorinnen über ihren Umgang mit Arbeit und den Zumutungen des entgrenzten, prekarisierten postmodernen Lebens reflektieren; dann Interviews von Redakteurinnen mit ihren Müttern, oder eines mit einem Psychoanalytiker über Depression und Gesellschaft, oder eines mit Jutta Schwerin über ihr Leben als Lesbe und in den 1980ern als grüne Bundestagsabgeordnete aus der baden-württembergischen Provinz. Drei Handwerkerinnen berichten über ihre Position im „männlich“ codierten kulturellen System „Handwerk“.
Die Beiträge illustrieren anschaulich, dass Lohnarbeit und die damit nahezu unweigerlich einhergehende Doppelbelastung für Frauen nicht die Alternative ist und sein kann. Sie zeigen zwei Dinge: Erstens dass die Reproduktionsarbeit (Erziehung, Hausarbeit, Pflege) weiterhin geschlechtlich ungleich verteilt ist und zweitens die Widersprüche durch die einzelnen Menschen hindurch verlaufen, und auch, dass das Scheitern an patriarchalen Selbstoptimierungsstrategien und am neoliberalen Subjektivierungszwang („sei du selbst!“) weit verbreitet ist, und das in allen Einkommensgruppen.
Outside the box weist auch auf ausführlich auf weitere Publikationen hin, auf teilweise eher unbekannte aber trotzdem wichtige Bücher, etwa von Jutta Schwerin (Ricardas Tochter. Leben zwischen Deutschland und Israel, dem neuen Buch mit Reportagen von Gabriele Goettle, dann die bekannteren von Laurie Penny (Fleischmarkt) und Silvia Federici.
Keine Sorge, es gibt – für die, die es mögen oder gar brauchen, auch Theorietexte, mit Marx und so. Das Heft wirkt auf den ersten Blick kompakt und eher unzugänglich. Wer sich hineinliest, wird aber mehr als reichlich belohnt und bekommt Lust auf mehr. Sicher bleiben auch viele Fragen offen, aber so wie dieses Heft die Themen aufbereitet und schildert, macht es damit Lust auf politische Debatten und persönliches Engagement.

Kaufen, lesen, weiterempfehlen!!

Bernd Hüttner

Outside the box #4, 6,50 EUR, bestellbar hier übers Web. Leider ist dort noch wenig über das neue Heft zu lesen (Zugriff am 13. August 2013). Es kann aber ein Radiointerview dazu angehört werden.

Liste der Verkaufsstellen

Bernd Hüttner, geboren 1966, lebt in Bremen, zwei Kinder. Er war längere Zeit Hausmann und interessierte sich auch schon vorher für Geschlechterverhältnisse. Er hat schon öfter darüber geschrieben, unter anderem vor einigen Jahren den Text „Linke Beziehungsgeschichte(n)“. Gründungsmitglied der EmaLi.

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