Kampf für das Gemeinsame – der (Post-)Operaismus als Interventionsstrategie für die Radikale Linke.

Seit der Veröffentlichung der Empire-Trilogie von Antonio Negri und Michael Hardt ist der (Post-) Operaismus die einflussreichste postmarxistische Bewegungstheorie. Im Zentrum des Erkenntnisinteresses stehen die antagonistischen Bewegungen gegen den Neoliberalismus. Das umsganze-Bündnis hat in seinen Magazin mole dazu einen zwar langen, aber gut lesbaren und vor allem: einführenden Beitrag publiziert.

Prolog
Der Philosoph Slavoj Žižek sah in dieser gar das „Kommunistische Manifest des 21. Jahrhunderts.“ Von vielen Autor_innen wurde dem (Post-)Operaismus reflexartig vorgeworfen, nicht stringent und in Teilen sogar widersprüchlich zu sein. Auch wenn dies mitunter zutreffen mag, wird bei diesem Urteil von den Kritikern_innen meist der verhandelte Analysegegenstand des (Post-)Operaismus ignoriert. Denn im Zentrum des Erkenntnisinteresses stehen die antagonistischen Bewegungen gegen den Neoliberalismus. Diese sind mitunter in sich sehr plural bis gegensätzlich. Eine Theorie der Kämpfe kann aber in sich nur soweit stimmig sein, wie es die Kämpfe selber sind. Deshalb ist der (Post-)Operaismus bei der Beantwortung der Frage „Was Tun?“ auch vielen seiner Kritiker_innen überlegen, weil er die aktuellen Veränderungen der sozialen Auseinandersetzungen seismographisch erfasst und diese für eine emanzipative Theorie nutzbar macht. In dieser kann die radikale Linke Antworten und Werkzeuge für ihre gegenwärtige Praxis in der Krise finden. Wer dagegen eine in sich harmonische Revolutionsanleitung lesen möchte, kann im Anschluss immer noch zu Lenin greifen.

Interventionsstrategie des Operaismus
Wie der (Post-)Operaismus seine Strategie entwickelte, lässt sich am besten in einer Darstellung der ihm vorangegangen Strategie des Operaismus nachvollziehen. Jede Interventionstheorie über Strategie und Taktik lässt sich nur ableiten aus einer Analyse des Gegenstandes, der verändert werden soll. Im ursprünglichen Operaismus stand der Klassenkampf im Zentrum der strategischen Überlegungen, dies erklärt sich aus der Einschätzung über die Dynamik des Kapitalismus, die der
theoretische Begründer des Operaismus Mario Tronti in seinem Klassiker Arbeiter und Kapital auf den Punkt brachte: „Auch wir haben erst die kapitalistische Entwicklung gesehen und dann die Arbeiterkämpfe. Das ist ein Irrtum. Man muss das Problem umdrehen, das Vorzeichen ändern, wieder vom Prinzip ausgehen: und das Prinzip ist der proletarische Klassenkampf.“ [1] Diese zentrale Kernaussage des Operaismus – dass die Dynamik des Kapitals sich nur aus den Kämpfen gegen ihn erklärt – entstand aufgrund von Analysen zur spezifischen Klassenlage in Italien nach dem Zweiten Weltkrieg. Seit den 1950er Jahren setzte in Norditalien eine massive Industrialisierung ein, in deren Mittelpunkt die Automobilfabriken des FIAT-Konzerns standen, die viele junge Bauern aus Süditalien anlockte. Diese neue Arbeiterklasse, die nicht bereits in vorherigen Generationen durch das Kapital diszipliniert wurde und sich der Kommandogewalt der stumpfen, langweiligen und anstrengenden Massenproduktion unterordnen musste, rebellierte. Die Kommunistische Partei Italiens, sowie Gewerkschaften, die sich in ihrer Agitation an eine domestizierte Arbeiterklasse richteten, konnten mit den spontanen Widerstandsformen von Verweigerung wenig anfangen, die an die syndikalistischen IWW-Methoden erinnerten: Blaumachen, Sabotage, langsames Arbeiten usw. Aus dem Zusammentreffen von autonomen Marxisten (wie z.B. Mario Tronti, Romano Alquati, Raniero Panzieri und Antonio Negri), Studierenden und dem Massenarbeiter entwickelte sich die Operaistische Bewegung, welche den Kampf gegen die Arbeit propagierte; sowie gegen die Herrschaftsförmigkeit kapitalistischer Massenproduktion, die einerseits dazu dient, die Produzenten zu unterdrücken und anderseits das Potenzial für den Kommunismus bereit hält – indem durch zunehmende Automation sich die Lohnabhängigen aus dem Produktionsprozess befreien können und zum bloßen Dirigenten werden. [2] In dieser Phase ist die operaistische Strategie in drei Punkte zu kategorisieren:

Der komplette Text von Philipp Metzger (Mitarbeiter des von Luither Blisset geleiteten Institut für kategoriale Analyse) ist hier nachzulesen.

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