Von der Krise des Sozialismus zur Krise der zeitgenössischen Linken

90px-Lenin_Statue_in_the_Sculpture_Parc_or_Park_Iskustv„Es ist unsere Schuld, dass es keine Alternative gibt.“ Ein Interview mit dem russischen undogmatischen Linken Boris Kagarlitzky darüber,

  • warum in Osteuropa niemand aus der Riege herausragender Intellektueller eine Alternative zur Krise der Achtzigerjahre in einem Mehr an Sozialismus suchte.
  • dass der Realsozialismus wegen seines eigenen Erfolges unterging. Kagarlitzky: „Die Gesellschaft hatte sich verändert. Die Industrialisierung war ein großer Erfolg. Die Kulturrevolution, die ein zurückgebliebenes Land in eine moderne, urbane Ökonomie mit der fortschrittlichsten Wissenschaft verwandelte, war ein enormer Erfolg. Gerade wegen dieser Erfolge wäre es notwendig gewesen, das sowjetische System fortzuentwickeln. Sie können kein fortschrittliches Industrieland mit den Methoden führen, die für die Modernisierung eines nichtentwickelten, ruralen Landes gedacht waren. Das hätte drastisch geändert werden müssen.“
  • dass heute die Situation in den USA und einigen westlichen Ländern, die eine vergleichbare Kombination von Konsum und Deindustrialisierung haben, der Russlands sehr ähnelt.

Das Interview führten Miloš Baković Jadžić und Vladimir Simović am Rande der Veranstaltungsreihe «Zaglavljeni na Periferiji». Neben Boris Kagarlitzky sprachen dort auch Hilary Wainwright, Bercan Aktaş, Anita Tolić, Dinko Kreho und John Milios. Durchgeführt vom Zentrum für politische Emanzipation, einem Partner der Rosa Luxemburg Stiftung in Belgrad, widmete sich der Zyklus der Analyse des Prozesses der Peripherisierung der Region sowie der Kritik des Transitionsdiskurses.

Das Interview als PDF. Übersetzung: Krunoslav Stojaković. Quelle: Osteuropa-Nachrichten der RLS, Nr. 8.


Wie weiter in Europa? Und welchen Weg wählt die Linkspartei?

19014vWie weiter in Europa? Und welchen Weg wählt die Linkspartei? Die Diskussion über das Programm zu den Europawahlen im Mai 2014 kommt langsam in Gang. Auch die Frage der Kandidaturen für das Europaparlament wird mit inhaltlichen und strategischen Fragen verknüpft.

Tom Strohschneider, Chefredakteur des ND (twitter: @linksdings) hat unter dem Titel „Eine andere EU. Mit links“ dankenswerterweise eine Übersicht über Online-Debattenbeiträge aus der LINKEN zum Umgang mit Europa zusammengestellt – und uns damit viel Arbeit abgenommen. Das ND will „der Diskussion über den Weg in ein solidarisches, soziales und demokratisches Europa“ (…) den Platz einräumen, den eine solch wichtige Auseinandersetzung verdient.  Der Blogeintrag, der fortlaufend aktualisiert werden soll, findet sich exakt hier.

Bild: Karte von Europa, für Blinde, ca 1910-1915. © Library of Congress/Flickr Commons.


Konstituierende Macht – Ein Interview mit Dario Azzellini

Wir wollen heute über den Begriff der «konstituierenden Macht» sprechen. Während der Vorbereitung für diese Ausgabe der arranca! hatten wir den Eindruck, dass das ein Konzept ist, das in Spanien, Italien und Lateinamerika in linken und emanzipato-rischen Bewegungen relativ bekannt ist, während es in Deutschland selbst innerhalb der radikalen Linken kaum verbreitet ist. Vielleicht kannst du als Einstieg einfach kurz mal skizzieren woher der Begriff kommt und was er bedeutet?

Dario Azzellini: Der Begriff kommt aus der politischen Philosophie und bezeichnet ganz weit heruntergebrochen (und als Einstieg) erst mal vor allem das Zusammentreffen von Multitude und Potentia. Ersteres meint Menschen, die in nicht-hierarchischer Vielheit und Verschiedenheit zusammenkommen, und letzteres die Fähigkeit, die diesen Menschen kollektiv innewohnt, gemeinsam etwas Neues zu entwickeln und die Gesellschaft in der sie leben (um)zu gestalten. Damit einher geht die Tatsache, dass sie nicht nur die Macht, sondern auch die Legitimität haben selbst zu entscheiden wie sie zusammen leben wollen und nach welchen Regeln.

Weiterlesen hier.

Entnommen aus arranca #47: Konstitution und Ausdauer. Bewegungen, konstituierende Macht und der Tag danach. (November 2013) | arranca! wird herausgegeben von der Gruppe FelS (Für eine linke Strömung).


Linke für andere

Plattform libertärer Opportunisten

aus „Ungehaltene Rede zur Kandidatur für den Bundesvorsitz der Partei Die Linke beim 3. Parteitag
Göttingen, 1. Tagung“ Mai 2012

Von Karsten Krampitz

Der römische Geschichtsschreiber Sallust schrieb einst im „Βellum Iugurthinum“: „aut quem alienum fidum invenis, si tuis hostis fueris?“ Ich weiß, der Politiker Sallust ist in der Linken umstritten, dennoch will ich dieses Zitat meiner Rede voranstellen:
„Welchen Fremden wirst du gewinnen, wenn du den Deinen ein Feind bist?“
In unserer Partei bin ich Mitglied geworden, in erster Linie aus Unzufriedenheit über die Politik der CDU, SPD und FDP. Um an deren Politik konkret etwas zu ändern, hätte ich wohl besser dort eintreten sollen? Von der Basis in Pankow aus kann ich das immer sehr gut beobachten: diese unglaubliche Energieverschwendung. Ich muss das jetzt nicht konkret benennen, um wen es geht. In der Regel kämpfen die Guten gegen die Gerechten. Das Ergebnis sehen wir. Vielleicht ist es an der Zeit, ein paar Selbstverständlichkeiten…

Ursprünglichen Post anzeigen 1.073 weitere Wörter


Petition unterschreiben – Abschaffung der Sanktionen und Leistungseinschränkungen bei Hartz IV und Sozialhilfe

Jede Unterzeichnung zählt!

Bis zum 18.12. 2013 müssen 50.000 Mitzeichnungen erreicht werden, damit der „offene Strafvollzug Hartz IV“ endlich auch in einer Anhörung im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags öffentlich skandalisiert werden kann. Die Petition von Inge Hannemann kann im Internet online mit gezeichnet werden:

„Arbeitslosengeld II – Abschaffung der Sanktionen und Leistungseinschränkungen (SGB II und SGB XII)“

Auch für diejenigen, die noch kein Passwort für eine Mitzeichnung einer öffentlichen online-Petitionen an den Deutschen Bundestag haben, geht das einfach. Hier trägt man sich einmalig ein. Damit sind auch zukünftig andere Petitionen unkompliziert mit zeichenbar. Auch das Petitionsforum ist nutzbar.

Die Petition von Inge Hannemann kann statt über das Internet auch schriftlich mit gezeichnet werden. Hier das Formular auf Inge Hannemanns Blog.

Wichtig ist, dass das Formular mit allen notwendigen Angaben der UnterzeichnerInnen vollständig und gut leserlich ausgefüllt und bis zum 11.12. 2013 an die im Formular angegebene Anschrift postalisch übermittelt wird. Spätere Übermittlungen können zur Erreichung einer öffentlichen Anhörung zur Petition im Deutschen Bundestag nicht berücksichtigt werden.

Achtung:  Eine Doppelunterzeichnung schmälert das Ergebnis!

Los geht es also! Gegen den „offenen Strafvollzug Hartz IV“!


Revolutionäre Theorie in nichtrevolutionärer Zeit

von Georg Fülberth

Die Veranstalterinnen und Veranstalter (1) haben sich von mir ein Referat gewünscht mit dem Titel: „Keine revolutionäre Praxis ohne revolutionäre Theorie“
Das habe ich aus zwei Gründen abgelehnt:
Erstens: Es gilt ja auch das Umgekehrte. Revolutionäre Theorie ging nie revolutionärer Praxis weit voraus, sondern entwickelte sich immer zugleich mit ihr. Also: Keine revolutionäre Theorie ohne revolutionäre Praxis. Da wir gegenwärtig keine revolutionäre Praxis haben, gibt es keine revolutionäre Theorie im operativen Sinn. Warum aber gibt es Beides gegenwärtig nicht? Antwort: Weil wir uns weder in einer revolutionären noch vorrevolutionären Situation befinden. Deshalb gilt:
Zweitens: Keine revolutionäre Theorie und keine revolutionäre Praxis ohne revolutionäre Situation.
Und eine revolutionäre Situation haben wir gegenwärtig nicht.
Unter revolutionärer Theorie in der Einladung ist offenbar der Historische Materialismus gemeint, Kurzform: Der Marxismus. Was aber wird aus dem Marxismus in nichtrevolutionärer Zeit?“

Weiter zum kompletten Text des Referates.

(1) Anm. der Redaktion: Leider ist auf www.scharf-links.de nicht vermerkt, wo und wann dieser Beitrag gehalten wurde.


Gramsci zum Einstieg

Best of Gramsci, so könnte der vorliegende Band auch betitelt sein. Er bietet »Einblick in die Vielfalt von Gramscis Denken«, seine »thematische Bandbreite und analytische Schärfe«. Ausgewählt wurden Paragraphen aus Gramscis Hauptwerk, den Gefängnisheften, zu seinen wichtigsten Themen: von Hegemonie, über Intellektuelle bis hin zu Betrachtungen über Erziehung, Kunst sowie Fordismus und Krise. Bei der Auswahl der Textstellen sowie dem Aufbau des Bandes griffen die HerausgeberInnen auf ihre Erfahrungen in Lesekursen, Wochenend-Seminaren und Workshops zurück, was die Qualität dieses Bandes gegenüber früheren Textzusammenstellungen deutlich erhöht. Zusammengefasst sind die Originalpassagen in zwölf thematisch gegliederten Abteilungen, denen jeweils ein kurzer erläuternder Abschnitt vorausgeht. Das ersetzt nicht die Lektüre der Gefängnishefte, ermöglicht aber einen wohl überlegten Einstieg in Gramscis Werk. Eine Verkürzung auf »lediglich die berühmtesten Stellen« wird vermieden. Für KennerInnen der Materie wird – ganz im Sinne der Konzeption des Bandes – dementsprechend nichts Neues geboten, aber für Lektürekreise und -kurse sowie für LeserInnen, die sich behutsam mit Gramsci vertraut machen wollen, ohne sich die Gesamtausgabe leisten zu wollen (und zu können), ist der Band eine gelungene Zusammenstellung und Ausgangsbasis für eigene Erkundungen, ohne dass eine spezifische Lesart Gramscis vorgeschrieben wird.

Sebastian Klauke

Florian Becker, Mario Candeias, Janek Niggemann, Anne Steckner (Hg.): Gramsci lesen. Einstiege in die Gefängnishefte. Argument Verlag, Hamburg 2013. 334 Seiten, 17 EUR.

Dieser Text erschein zuerst in analyse und kritik 588, (http://www.akweb.de)