Was der Alltag politisch mit uns anstellt (Stuart Hall, 1932–2014)

[UPDATE] Er machte Populärkultur zum Thema, analysierte die konservative Konterrevolution von Margaret Thatcher schon vor ihrem Start und sezierte Rassismus und Xenophobie. Mit Stuart Hall ist kürzlich ein prägender linker Theoretiker verstorben.
Es erscheint wie für heute geschrieben: Je mehr man die Arbeiten des am 10. Februar verstorbenen jamaikanisch-britischen Soziologen und Kulturtheoretikers Stuart Hall Revue passieren lässt, desto aktueller werden sie. Nach der jüngsten Abstimmung gerade auch für die Schweiz.
Mit den von ihm mitbegründeten Cultural Studies analysierte Hall Populärkultur und Medien als alltägliche Praktiken, die unser Leben formen. Er erkannte früh, dass Thatcherismus und Neoliberalismus eine radikal neue Form der Politik bedeuten. Intensiv beschäftigte er sich mit der Frage, wie eine dominierende Klasse Menschen dazu bringen kann, eine Politik gegen ihre eigenen Interessen zu unterstützen. Er zerlegte den postkolonialen Rassismus und die Art und Weise, wie er mit Multikulturalismus koexistiert.
Der ganze Artikel von Stefan Howald in der Schweizer Wochezeitung WoZ vom 20.2.2014 ist hier online.
Marxismus ohne Garantien. Andreas Merkens, Referent der RLS Hamburg, hat in der Zeitschrift SOZIALISMUS (März 2014) über Stuart Hall, den kürzlich verstorbenen Mitbegründer der Cultural Studies und ehemaligen Herausgeber der Zeitschrift New Left Review einen Nachruf veröffentlicht (zum Text).

Benjamin Opratko und Janek Niggemann haben beim partenachwuchs von marx21 einen Nachruf geschrieben und darin versucht zu begründen, warum linke Politik auch nach seinem Tod nicht auf Halls Denken und Haltung verzichten sollte: “Ein Abschied in die Zukunft”.
Im Hamburger Argument Verlag erscheint dieser Tage von Stuart Hall: «Populismus, Hegemonie, Globalisierung». 260 Seiten (Ausgewählte Schriften 5). Hall liefert darin Analysen nationaler und globaler Umwälzungen im Zusammenhang mit Veränderungen in Politik und Kultur. Ein wesentlicher Begriff, mit dem er hier arbeitet, ist Populismus. Hall sondiert ihn als Phänomen in der Massendemokratie und unterscheidet zwischen popular-demokratischem und autoritärem Populismus, um die Interessen nicht zu verdecken, sondern offenzulegen. Zur Verständigung über gesellschaftliche Krisenprozesse stellt er begriffliches Instrumentarium des Marxismus auf den Prüfstand. Mit konkreten Analysen zu aktuellen Entwicklungen lotet Hall die Möglichkeiten linker Politik und Kultur aus, knüpft an Antonio Gramsci und Nicos Poulantzas an und sucht nach „günstigen Bedingungen für einen Fortschritt zum Sozialismus“ in aktuellen Kräfteverhältnissen.

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