Die verunsicherte Mitte – Vom Fahrstuhl zur Wagenburg

200[Artikel von Cornelia Koppetsch auf www.gegenblende.de, dem gewerkschaftlichen Debattenblog]
Im öffentlichen Diskurs ist seit einigen Jahren von der Gefährdung der Mittelschicht die Rede. Im Vordergrund steht dabei meist ein Opfer-Narrativ: Die Mittelschicht wird von gesellschaftlichen Umwälzungen erfasst und muss Verluste an Sicherheit, Wohlstand und Einflussmöglichkeiten hinnehmen. Dieser Diskurs hat mit der Finanzmarktkrise im September 2008 einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Hier zeigten sich erstmals die Abgründe eines durch Finanzmärkte gesteuerten Kapitalismus. Die zum Fetisch erhobene Vorstellung, Geldkapital könnte sich in Gestalt von Wertpapieren abgelöst von der Realwirtschaft vermehren, erzeugte Blasen und deren Platzen führte zu Dominoeffekten in allen Volkswirtschaften.
(…) Zum Schluß ihrer Artikels, der hier online ist, schreibt Koppetsch: „Drittens zeigen die Beispiele, dass das „Alternative“ nicht mehr als Ort des Widerstandes taugt. Werte wie „Kreativität“, „Selbstverwirklichung“, „Autonomie“ und Expressivität“ sind heute den gesellschaftlichen Strukturen in Produktion, Arbeit und Konsum längst einverleibt worden. Sie sind selbst zu Herrschaftsinstrumenten geronnen. So bedienen sich Arbeitsagenturen und Wohlfahrtsinstitutionen zunehmend der Rhetorik der „Selbstverantwortung“, um sozialstaatliche Ansprüche abzuweisen. Ob Arbeitslose oder Hartz IV-Empfänger, ob alleinerziehende Mütter oder verarmte Rentner, sie alle werden unter dem Vorzeichen des aktivierenden Sozialstaates (Lessenich 2008) dazu angehalten, sich in erster Linie selbst zu helfen. Vielleicht gelingt es in Zukunft einer nachfolgenden Generation die Widersprüche dieser Mittelstandslogik zu überwinden.“

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