Das Bedingungslose Grundeinkommen – aus feministischer Perspektive [Rezension]

bge_helmerDas bedingungslose Grundeinkommen soll Spielräume ermöglichen, damit Menschen kreativ tätig werden können. Ausgegangen wird von einer »grundlegenden Bedürftigkeit jedes Menschen« ebenso wie »von der grundsätzlichen Bereitschaft, gesellschaftlich notwendige Sorgearbeit zu leisten.« Bei vielen Befürworter_innen des Grundeinkommens bleibt die klassische geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, die ungleiche Wertschätzung in Bezug auf Care, und damit die gesellschaftliche Ausbeutung des Engagements von vor allem Frauen, jedoch unangetastet. Ein so verstandenes Grundeinkommen läuft Gefahr, dass die geschlechtshierarchische Arbeitsteilung zementiert wird.

Darin sieht Gabriele Winker vom Netzwerk Care Revolution mit einen Grund für die Zurückhaltung von Feminist_innen im deutschsprachigen Raum, sich zum bedingungslosen Grundeinkommen zu äußern. Um auf dem Weg zu einer anderen (»sorgenden«) Ökonomie, einem anderen Verständnis von Freiheit, Selbstbestimmung und Autonomie hilfreich zu sein, »braucht der Einsatz für ein Grundeinkommen deshalb auch zwingend eine geschlechterbewusste Reflexion und  Strategie«, wie die Herausgeber_innen einleitend hervorheben.

Die Autor_innen des Buches (alle seit vielen Jahren mit feministischer Ökonomiekritik und Grundeinkommen beschäftigt)
wenden sich in insgesamt acht Beiträgen aus unterschiedlicher Perspektive (Care Revolution, Ökonomie der Geburtlichkeit, Vorsorgendes Wirtschaften, Subsistenzansatz, Commons…) dem Thema zu. Für alle gilt: Das Grundeinkommen muss in andere transformative Perspektiven eingebettet sein, um einen »postpatriarchalen gesellschaftlichen Wandel« zu unterstützten.

Verbunden damit ist die Frage nach den geeignetsten Transformationsstrategien. Für Ronald Blaschke sind die verschiedenen Ansätze, mit denen Veränderungen politisch erkämpft werden können, »nicht nur als Mehrfachstrategien zu konzipieren, sondern so zu denken und politisch zu gestalten, dass sie sich aufeinander beziehen und sich gegenseitig befördern.« Das Buch trägt dazu bei, »dass die Idee eines Grundeinkommens sich mit einer Care-zentrierten Ökonomie verbindet, dass die beiden Konzepte sich gegenseitig befruchten und so den Diskurs über eine feministische und postpatriarchale Zukunftsgestaltung insgesamt voranbringen«. Auf die in sich abgeschlossenen Beiträge des
Buches, die an passenden Stellen aufeinander verweisen, kann dabei nun zurückgegriffen werden.

Jürgen Weber

Ronald Blaschke/Ina Praetorius/Antje Schupp (Hg.): Das Bedingungslose Grundeinkommen – Feministische und postpatriarchale Perspektiven. Ulrike Helmer Verlag, Sulzbach 2016, 180 S., 14,95 EUR

Diese Rezension erschien zuerst in CONTRASTE, Monatszeitung für Selbstorganisation, November 2016. CONTRASTE berichtet regelmäßig aus dem Land der gelebten Utopien: über Arbeiten ohne ChefIn für ein selbstbestimmtes Leben, alternatives Wirtschaften gegen Ausbeutung von Menschen und Natur, über Neugründungen von Projekten, Kultur von „unten“ und viele andere selbstorganisierte und selbstverwaltete Zusammenhänge. Wir danken herzlich für die Erlaubnis zur Veröffentlichung.

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One Comment on “Das Bedingungslose Grundeinkommen – aus feministischer Perspektive [Rezension]”

  1. […] Darin sieht Gabriele Winker vom Netzwerk Care Revolution mit einen Grund für die Zurückhaltung von Feminist_innen im deutschsprachigen Raum, sich zum bedingungslosen Grundeinkommen zu äußern. Um auf dem Weg zu einer anderen (»sorgenden«) Ökonomie, einem anderen Verständnis von Freiheit, Selbstbestimmung und Autonomie hilfreich zu sein, »braucht der Einsatz für ein Grundeinkommen deshalb auch zwingend eine geschlechterbewusste Reflexion und  Strategie«, wie die Herausgeber_innen einleitend hervorheben. Den Rest des Beitrags lesen » […]


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