Degrowth, Postwachstum, Bewegungen

Wege zur sozial-ökologischen Transformation, darunter das Grundeinkommen. Ein neuer Sammelband mit Beiträgen Aktiver aus 32 sozialen Bewegungen stellt diese Bewegungen vor und beschreibt Gemeinsamkeiten, aber auch Herausforderungen auf dem Weg in eine sozial-­ökologische Gesellschaft. Die Grundeinkommens­bewegung ist mit einem eigenen Beitrag dabei, das Grund­einkommen findet sich in mehreren Beiträgen (mehr Information).
Das Buch ist hier komplett online und die 32 Beiträge können einzeln angesehen werden.

Noch ist die Welt nicht bereit, sich vom herrschenden Wachstumsparadigma zu lösen. Doch Wachstum ist alles andere als „alternativlos“ – neue Konzepte, die sich an den Bedürfnissen der Menschen und des Planeten orientieren, prägen die Postwachstumsdebatte. Der eher biedere oekom-Verlag hat ein Dossier zum Postwachstum zusammengestellt. Es enthält frei zugängliche Artikel aus Zeitschriften dieses Verlages zu folgenden Fragen:

    • welche Perspektiven es für eine Postwachstumsgesellschaft gibt,
    • warum Grünes Wachstum in die Irre führt,
    • ob es gelingen kann, das herrschende Wachstumsprimat durch sinnvolle Tätigkeiten, eine gerechtere Arbeitsaufteilung und mehr Zeit für Engagement und Muße abzulösen,
    • wie sich sinkender Ressourcenverbrauch und Einkommensgleichheit auf Technologie, Arbeit und Konsum auswirken,
    • ob sich Wachstum und Nachhaltigkeit in der Biobranche ausschließen.

und vieles mehr. Hier geht´s zu den Artikeln des Dossiers Postwachstum.

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Digitalisierung, Klassenkampf, Revolution – Broschüre der RLS

analysen33_digitalisierungDigitalisierung, Industrie 4.0 – warum sollen sich Linke für solche Themen interessieren? Was ist an Vernetzung, Smart Factories, Home-Office, Crowdwork, Big Data von Bedeutung? Die Antwort hängt wesentlich davon ab, welche sozialen Veränderungen sich hinter diesen technischen Begriffen überhaupt verbergen. Industrie 4.0 ist Realität, Versprechen und Drohung zugleich. In der Broschüre von Stephan Kaufmann soll erklärt werden, was die Digitalisierung ist, was sich ihre Protagonist_innen von ihr versprechen, wo sie ihre Chancen, Risiken und Grenzen sehen. Zudem soll geklärt werden, warum die Digitalisierung in Deutschland in Form der «Industrie 4.0» beworben wird und ob es sich hier tatsächlich um eine vierte industrielle Revolution handelt. Die Broschüre ist hier als PDF online und kann, wie viele Publikationen der RLS unter bestellung(ädd)@rosalux.org kostenfrei bestellt werden.


Anders Wirtschaften ist möglich! [Rezension]

wegweiser_titel_2_auflage.inddElisabeth Voß, langjährige Aktivistin und Autorin im Feld der alternativen und solidarischen Ökonomien hat ein vor allem für Einsteiger_innen sehr lesenswertes Buch vorgelegt.

Zuerst widmet sie sich den Begriffen und Definitionen. Was ist genau gemeint, wenn von „solidarischer Ökonomie“ gesprochen wird? Meist werde darunter, im engeren Sinne, so Voß, „wirtschaftliche Selbsthilfe in kleineren oder größeren Gemeinschaften“ gemeint. Davon ausgehend diskutiert sie im zweiten Schritt die vielfältigen Aspekte und auch Konfliktfelder alternativen Wirtschaftens: Markt und Staat, lokal und regionales Handeln, Verständnisse und Wertigkeiten von „Arbeit“, Teilen und Nutzen statt Besitzen, Selbsthilfe und Eigentum und so weiter. Im dritten Kapitel stellt sie dann die verschiedenen „theoretischen“ Konzepten solidarischen Arbeitens und Wirtschaftens vor. Hier geht es um Degrowth und Post-Wachstum, um Commons und feministische Ökonomie(kritik), um Genossenschaften und Gemeinwesenarbeit, und nicht zuletzt um die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen solidarischen und sozialen Ökonomien.

Den Hauptteil des Buches bilden dann die Praxisbeispiele solidarischen Wirtschaftens, die nach „Themenfeldern“ sortiert aufgeführt werden. Voß nennt eine Vielzahl an Namen und Strukturen, unter anderem aus den Bereichen Landwirtschaft, Wohnen, Energie bis hin zu Finanzen, Soziokultur, Medien und Archiven. Den Rest des Beitrags lesen »


Foltin: Theorien der Autonomen [Rezension]

Der, wie er selbst sagt, „arbeitslose Autor“ und „Politaktivist (zu wenig)“ Robert Foltin hat auf knapp 200 Seiten zusammengetragen, was für ihn zum Mosaik der Gedanken- und Theoriegebäude hinter (oder vor?) autonomem Handeln gehört. Ob „autonome Theorien“ dabei fruchtbarer „Teil der emanzipatorischen Praxis“ autonomer Strukturen und Akteur*innen sind (oder andersherum?) bleibt offen, sein Titel-Fragezeichen inbegriffen. Platz zum Weiterdenken also – und zum Handeln.

Seit einigen Jahren gibt es auf dem linken und linksradikalen Buchmarkt vermehrt Bücher, die ausdrücklich Einführungen in ein Thema oder eine Theorie sein wollen und solche, die als Überblickswerke gedacht sind. Foltins neues Buch ordnet sich auf dem Regalmeter unter letzteren ein.

Der 1957 geborene Robert Foltin ist vor allem durch seine Mitarbeit an der vor kurzem nach 52 Ausgaben geschlossenen Zeitschrift „grundrisse“ aus Wien bekannt. Deren Texte sind alle online zugänglich. Er hat unter anderem zwei gute Bücher über die Geschichte sozialer Bewegungen in Österreich geschrieben und ist einer derjenigen, die dankenswerterweise die politischen Ansätze des Postoperaismus von Antonio Negri / Michael Hardt und anderen kritisch diskutiert und bekanntgemacht haben.

Das neue Buch will „(Revolutions)-Theorien vorstellen, die in autonomen Szenen diskutiert werden“, so der Globalansatz im Vorstellungs-Text auf der Rückseite. Wer aber die Vielfalt – Foltin nennt es „Patchwork“ – linksradikaler Politikformen kennt, kann sich vorstellen, dass das, erst recht auf knapp 200 Seiten, eine große Herausforderung ist. Der erste Blick ist hierbei folgerichtig auch ein historischer, wenn Foltin das „Patchwork“ an seinen längfädigen Zipfeln zu packen sucht. So stellt Foltin also zunächst kurz historische, antiautoritäre Vorläufer autonomer Theorien, wie den historischen Anarchismus, Rätekommunismus und „1968“ vor. Im folgenden, mehr als die Hälfte des Buches umfassenden aktuellen Teil werden klassischer Anarchismus, Operaismus, (anarchistischer) Insurrektionalismus (Stichwort: „Der kommende Aufstand“), autonomer Antiimperialismus und schließlich Feminismus dargestellt. Antideutsche und Wertkritik werden ebenfalls diskutiert. Den Rest des Beitrags lesen »


Alles gehört auf den Prüfstand…namentlich die eigene Geschichte

history-is-unwritten_webRenate Hürtgen rezensiert AutorInnenkollektiv Loukanikos (Hrsg.): History is unwritten. Linke Geschichtspolitik und kritische Wissenschaft. Ein Lesebuch, edition assemblage, 2015
Es war der Zweifel an bisheriger Theorie und Praxis linker Geschichte, der 2013 den Anstoß zu einer Debatte in der Zeitung analyse & kritik (siehe ihre Sonderbeilage: http://www.akweb.de/themen/sonderbeilage_unwritten.htm) gab. Sie kreiste um die Frage, wie in einer kritischen Auseinandersetzung mit herrschenden und linken Mythen vermieden werden kann, eine Gegenerzählung zu schaffen, die wieder neue Mythen produziert.
Hinter dieser etwas metatheoretisch anmutenden Fragestellung stand das große Unbehagen an aktueller linker wissenschaftlicher und politischer Geschichtspraxis und das Ziel, es anders und besser zu machen. Initiator und Organisator dieser bis heute andauernden Debatte ist Loukanikos, eine kleine Gruppe junger Historiker, Politik- und Kulturwissenschaftler, die sich außerhalb vom institutionellen Wissenschaftsbetrieb – der bekanntlich in seiner neoliberalen Ausrichtung kaum unabhängiges Arbeiten zulässt – zusammengefunden hat, um einer «wissenschaftlichen Vereinzelung und Konkurrenzlogik eine kollektive und solidarische Arbeitsweise» (S.395) entgegenzusetzen.
Seitdem ist ein ganzes autonomes «Netzwerk im Feld kritischer Geschichtswissenschaft» (S.120–133) entstanden, von dem wichtige Impulse für den Neuansatz einer emanzipatorischen Geschichtsaufarbeitung ausgehen. Im selben Jahr noch organisierte Loukanikos die Tagung «History is unwritten. Linke Geschichtspolitik und kritische Wissenschaft: Gestern, Heute und Morgen», die von 200 Leuten besucht wurde. 2015 erschien der durch zahlreiche Beiträge und überleitende Texte der Herausgeber erweiterte, hier zu besprechende Tagungsband.
Das prophezeite «Ende der Geschichte» nach dem Zusammenbruch des «Realsozialismus» ist nicht eingetreten, die Zeit des Abgesangs auf eine alternative Perspektive scheint vorbei. Denn darin sind sich Herausgeber und Autoren einig: Die kritischen Fragen – auch und vor allem an die eigene linke Geschichte – werden gestellt, um Antworten zu finden, wie eine Alternative zu den bestehenden Verhältnissen aussehen muss.
«Fragend schreiten wir voran – fragend blicken wir zurück», ist das Motto des Bündnisses Rosa&Karl, das sich zeitgleich in Berlin aus verschiedenen linken Jugendverbänden und Einzelpersonen mit dem Ziel gegründet hat, in «die bisherige Praxis des Gedenkens an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zu intervenieren» (S.396 sowie 348–357). Damit nicht genug der weitgesteckten Ziele! Die Herausgeber wollten mit der Tagung und dem vorliegenden Tagungsband Akademiker und Praktiker zusammenbringen, damit sich linke Geschichtspolitik und kritische Wissenschaft produktiv verbinden können.
Schon auf der Tagung zeigte sich, dass dieses Miteinander von wissenschaftlich-akademisch Arbeitenden und den Praktikern einer linken Gedenk- und Erinnerungskultur so einfach nicht herzustellen ist.
Die komplette Rezension hier online lesen.

Renate Hürtgen kommt aus der linken DDR-Opposition, ist Mitbegründerin des AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost West und Zeithistorikerin. Ihr Text erschien zuerst in SoZ – Sozialistische Zeitung, September 2015.


„Das Ziel liegt im Weg“: Handbuch zu emanzipatorischer Organisation und Praxis erschienen

hippies_NYSeit über 20 Jahren wird bekanntlich in der radikalen undogmatischen Linken die Organisierung propagiert. Herausgekommen ist meist nur die übliche autonome Kampagnenpolitik – bloß mit einer besseren Begründung. Die vielzitierte soziale Verankerung im Alltag und im Stadtteil, und erst recht eine Politisierung der eigenen Existenzsicherung ist immer noch Mangelware.
Zur Organisierung gehört Verbindlichkeit und auch eine gewisse Professionalität. Beides lässt sich lernen, und es sollte auch gelernt werden, so die These der anonymen Autor*innen-AG (post)autonome Handlungsweisen. Entlang eines rückgekoppelten Phasenmodells von Ziel – Wege – Unterstützung/Kooperation und – (Reflektion der) Probleme spannen die Autor*innen einen weiten Bogen. Sie beschreiben das Arbeiten in Gruppen, und wie dort Entscheidungen auf eine gute Weise zustande kommen. Dazu gehört auch die interne, nichtöffentliche Kommunikation. Die Autor*innen plädieren sympathischerweise für größtmögliche Transparenz, auch für Arbeitsteilung und vor allem für aktives Skill-Sharing, also das Weitervermitteln und Teilen von Kompetenzen. Genauso wichtig ist die Wirkung nach außen, also Pressearbeit, Infostand, Website, Demonstrationen und Kommunikationsguerilla. Bemerkungen zu Repression und zu Bündnisarbeit schließen den Band ab. Einige Themen, die auch wichtig wären, wie etwa Verschlüsselung, werden leider nur gestreift, während informelle Hierarchien, Leistungsdruck und Burnout-Prävention breiter untersucht und diskutiert werden.
Aus dem alten Dilemma der Autonomen, dass ihre Strategie „für ein selbstbestimmtes Leben einzustehen“ und „die eigenen Interessen eigenmächtig und selbstverantwortlich zu vertreten“ (im Buch S. 39), ebenfalls in die Philosophie des Neoliberalismus passt, zeigt auch dieses Buch keinen Ausweg. Muss es aber auch nicht. Nach der Lektüre ist allerdings klar, dass sich jeder und jede schon auch selbst emanzipieren muss, und wo die Unterschiede zwischen antiautoritären und den anderen Gruppen oder gar Parteien liegen. Dieses wirklich preiswerte und im seit 1990 aktiven, linksradikalen UNRAST-Verlag aus Münster erschienene Buch ist ein sehr nützliches Hilfsmittel.

Bernd Hüttner

AG (post)autonome Handlungsweisen: Organisation & Praxis. Ein politisches Handbuch. 198 S., 9,80 EUR, unrast-Verlag, Münster 2014.

Diese Rezension erschien zuerst in TERZ, der autonomen Stattzeitung für Politik und Kultur in Düsseldorf und Umgebung, Ausgabe 11/2014.

Foto: privat, gesehen in New York.


Strategien für die Welt nach dem digitalen Kontrollverlust (Buch von Michael Seemann)

cover_kontrollverlust_groDaten, von denen wir nicht wussten, dass es sie gibt, finden Wege, die nicht vorgesehen waren und sagen Dinge aus, auf die wir nie gekommen wären.
Wir möchten euch auf ein neues, spannendes Buch zu Netzpolitik hinweisen, das kürzlich erschienen ist.

Selbstbestimmung und Fremdsteuerung, gewollte Transparenz und unfreiwillige Überwachung: Kontrollverlust ist das Thema unserer Zeit. Durch die Digitalisierung verlieren wir die Kontrolle über das, was lange sicher galt: Privatsphäre, Datenschutz, Urheberrecht und Staatsgeheimnisse. Betroffen sind alle – mehr oder weniger stark. Müssen wir uns damit abfinden? Gibt es Strategien gegen den Kontrollverlust oder zumindest die Möglichkeit, selbst eine neue Art der Gegenkontrolle zu erlangen. Wir befinden uns mitten in einem gewaltigen Umbruch. Die Verdatung der Welt stößt die postindustrielle Ordnung in die Krise. All unsere Institutionen und unser ganzes Verständnis von Freiheit sind vom Kontrollverlust bedroht.
Doch der Krieg ist nicht verloren. Ein Neues Spiel hat begonnen. Es anzunehmen, heißt, sich auf ein neues Denken und eine radikal neue Ethik einzulassen und die Freiheit an anderen Orten zu suchen. Welche Strategien funktionieren nicht mehr, welche um so besser, welche neuen gibt es?
Genau mit diesen Fragen setzt sich der Blogger Michael Seemann in seinem über Crowdfunding finanzierten Buch “Das neue Spiel” auseinander.

Um sich das Buch anzueignen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, es kann es openacess heruntergeladen, gelesen oder als print (wie auch im Buchhandel) gekauft werden. Alles weitere hier: http://www.ctrl-verlust.net/buch/. Auf der Seite finden sich auch Radiosendungen und anderes zum Buch.