Berlin, 20. September: Demo „Sexuelle Selbstbestimmung ist ein Menschenrecht!“

Am 20. September 2014 findet in Berlin die bundesweite Bündnisdemonstration „Sexuelle Selbstbestimmung ist ein Menschenrecht“ statt.
Der Bundesvorstand des fds unterstützt das Bündnis und die Demonstration, wie auch der Bundesvorstand der Partei DIE LINKE: Auch Ihr könnt die Demo und das Bündnis unterstützen, entweder durch persönliche Teilnahme oder eben durch Zeichnung des Aufrufes. In diesem heißt es:
„Am 20. September wird vor dem Bundeskanzleramt in Berlin erneut ein „Marsch für das Leben“ beginnen. Abtreibungsgegner_innen fordern dabei das totale Verbot und die Bestrafung aller Schwangerschaftsabbrüche – nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Allen Mädchen und Frauen soll die Selbstbestimmung über ihr eigenes Leben und ihren Körper abgesprochen werden. Die ideologische Grundlage der Teilnehmer_innen des Marsches bildet ein reaktionäres, christlich-fundamentalistisches Weltbild, in dem der Schwangerschaftsabbruch als eine „vorgeburtliche Kindstötung“ dagerstellt wird. Der dort vertretene Begriff des „Lebensschutzes“ beinhaltet die totale Kontrolle über Frauen und die Rekonstruktion der „alten Ordnung“ mit der „heiligen Familie“.
Die in Deutschland gelebte Realität sieht jedoch anders aus, als es sich reaktionäre Gruppen wünschen. Den Rest des Beitrags lesen »

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Putzen, kochen, Kinder kriegen. Von der Haushalts- zur Caredebatte: alter Wein in neuen Schläuchen?

Eine Vielzahl an Marx orientierte Theorien unterscheiden zwischen Produktions- und Reproduktionsarbeiten, wobei sie der Produktionssphäre wirtschaftlich wie politische eine größere Bedeutung beimessen. Das haben FeministInnen seit langem kritisiert. Im Rahmen der sogenannten Hausarbeitsdebatte wurde dies in den 1970er Jahren intensiv diskutiert. Seit einiger Zeit erlebt diese Debatte unter dem Stichwort Care bzw. Careökonomie eine Renaissance. Was verbirgt sich dahinter?

Die Hausarbeitsdebatte zeigte, dass der Fixierung auf die Produktions- und die Ausblendung der Reproduktionsverhältnisse die Annahme zugrunde lag, dass nur die Warenproduktion Wert schaffe. Die Produktion von Mehrwert galt in der marxistischen Analyse als das zentrale Moment kapitalistischer Vergesellschaftung. Gegen das müsse in erster Linie Widerstand geleistet werden. Dem setzte die Hausarbeitsdebatte die gleichwertige Analyse der »Erzeugung von Lebensmitteln« und der »Erzeugung von Menschen« (Engels 1975) entgegen und forderte unter anderem Lohn für Hausarbeit. (Vgl. Dalla Costa 1973)

Seitdem kritisieren FeministInnen, dass der Bereich der Reproduktion von Leben und Arbeitskraft nicht als wertschöpfend, ausbeutend und damit auch nicht als Problem verstanden wurde, mit dem sich antikapitalistische Theorie und Praxis politisch befassen müssen. Schon in den Überlegungen Friedrich Engels‘ und auch Clara Zetkins zur »Frauenfrage«, der Frage nach dem Zusammenhang von weiblicher Emanzipation und Überwindung kapitalistischer Verhältnisse, wurde vor allem herausgestellt, dass Frauen dadurch revolutionäre Subjekte werden, indem sie erwerbstätig werden.

Den ganzen Beitrag von Pia Garske in ak – analyse & kritik – zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 591 / 18.2.2014 hier online lesen. ak 591 hat den Schwerpunkt „Care“.


Feministischer Aufruf: Für eine soziale, geschlechtergerechte und offene Gesellschaft

Von – aber nicht nur für – Wissenschaftler_innen ist der Aufruf ’Für eine soziale, geschlechtergerechte und offene Gesellschaft’. Er besteht aus drei Teilen, die sich gegen Ausbeutung auf dem Arbeitsmarkt, die Belastungen durch Sorge-Arbeit sowie die Ungerechtigkeiten der Globalisierung richten. Er beginnt wie folgt: „Im Wahlkampf 2013 war Geschlechtergerechtigkeit kein Thema. Es geht nur noch um Fragen, wie der Anteil von Frauen in Aufsichtsräten erhöht werden kann und ob der Ausbau der Kinderbetreuung für unter Dreijährige dem Bedarf entspricht. Ist das ausreichend? Nein! Deshalb halten wir1 eine feministische Kritik für dringlicher denn je und plädieren für ihre Neubelebung!
Die einschlägige Forschung und unsere alltägliche Erfahrung zeigen:

  •  Frauen verdienen weniger als Männer
  •  Mütter bringen deutlich mehr Zeit für die Familie auf als Väter
  •  Mütter verzichten oft auf eine existenzsichernde Erwerbstätigkeit oder müssen in prekären Verhältnissen und unter ihren beruflichen Qualifikationen arbeiten
  •  Rentnerinnen haben ein im Schnitt 60% geringeres Einkommen als Rentner
  •  Allein Erziehende und Familienernährerinnen sind häufig arm
  •  Frauen müssen sexuelle Belästigung und Gewalt erleben
  •  Frauen werden häufiger Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution.

Diese Liste ließe sich um zahlreiche Aspekte erweitern. Sie macht deutlich, dass Geschlechte-rungleichheit sich als politisches Thema keinesfalls überholt hat. Geschlechterungleichheiten müssen heute jedoch in einem breiteren gesellschaftlichen Zusammenhang diskutiert werden, der weit über die Geschlechterfrage – die Ungleichheit zwischen Frauen und Männern – hin-ausreicht. Folgende beunruhigende Entwicklungen in Richtung Prekarisierung und Ausgrenzung müssen von feministischer Kritik berücksichtigt werden.“

Der Aufruf kann von allen Menschen unterzeichnet werden und ist hier als PDF online.